Das Prager Theaterfestival deutscher Sprache, ursprünlich unter dem Namen Deutsches Theater Prag, entstand im Jahre 1996, um an die gewaltsam unterbrochene Tradition des Zusammenlebens und der wechselseitigen Bereicherung der tschechischen, deutschen und jüdischen Kultur in der tschechischen Metropole anzuknüpfen. Diese Idee machten sich gerne auch die Staatsoberhäupter Tschechiens, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, die von Anfang an diesem Theaterfest ihre Schirmherrschaft gewähren, zu eigen, sowie auch die Hauptstadt Prag als Mitveranstalter.

Im Jahre 1997 konzentrierte sich die Dramaturgie des Festivals auf das Schaffen der Regisseure der mittleren Generation und auf Stücke zeitgenössischer Autoren, im dritten Jahr auf die neuesten, ungewohnten und anspruchsvollen Strömungen des deutschsprachigen Theatergeschehens. Ausverkaufte Zuschauerräume und Pressereaktionen, die das Festival als „ein ganz außerordentliches Theaterereignis, das auch das Kulturleben solcher Metropolen wie Paris, London oder New York schmücken würde“ bezeichneten, zeugen von einem geglückten Programmkonzept.

Im vierten Jahrgang 1999 konzentrierte sich das Festival auf die Werke der Klassiker in aktualisierter Darstellung ausgeprägter Regiepersönlichkeiten, sowie auf Stücke junger Autoren.

Im Jahre 2000 waren alle Vorstellungen noch vor dem Festivalbeginn ausverkauft. Das Festival bestätigte seinen Willen und seine Fähigkeit, das Interessanteste von dem zeitgenössischen Theaterschaffen für Prag zu gewinnen. Zum Höhepunkt wurde erwartungsgemäß die zwölfstündige Aufführung „Schlachten!“, eine Varation auf Shakespeares „Rosenkriege“.

Im sechsten Jahrgang 2001 wurden bedeutende Theater der Bundesländer vorgestellt, welche großen Spielraum jungen Regisseuren und Schauspielern bieten.

Der siebente, etwas kürzere Jahrgang 2002 konzentrierte sich auf berühmte Schauspielerstars, ob diese schon in einer Aufführung, oder in einem Soloabend auftraten.

Der achte Jahrgang fand in der zweiten Novemberhälfte 2003 statt. Der Schwerpunkt waren aktuelle Bearbeitungen von Dramen des klassischen Repertoirs.

Der neunte Jahrgang 2004 kehrte das Festival in die klassischen Theaterräume zurück. Im historischen Gebäude des Nationaltheaters wurde zum ersten Mal ein Sprechstück in Deutsch, „Das Werk“ der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek aufgeführt.
Das Thema der nationalen und etnischen Identität verbindet dieses Stück mid den meisten der Aufführungen, die auf verschiedene Weisen die Gegenwart und Vergangenheit der Gesellschaft in den deutschsprachigen Ländern reflektierten.

Das Programm des zehnten Jahrgangs war von Jubiläen geprägt: Außer der Busreise ins Wiener Burgtheater zu Schillers „Don Carlos“ waren 14 Premieren verschiedenster Genres zu sehen, von Autoren und Regisseuren, die zum ersten Mal kamen, so wie von in Prag bereits bekannten Bühnen wie das Thalia Theater, Volksbühne Berlin und Bayerisches Staatsschauspiel. Eingeladen waren auch berühmte Filmstars wie Hanna Schygulla, Armin Mueller-Stahl und Bruno Ganz. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung diskutierten miteinander die Ex-Präsidenten Richard von Weizsäcker und Václav Havel, das Gespräch wurde vom Senator Karl von Schwarzenberg geleitet.

 

Dank der Hilfe unserer Partner konnten auch 2006 repräsentative Produktionen eingeladen werden. Das Echo in den Medien und auch in der Öffentlichkeit war trotz der kontroversen Prägung des elften Jahrgangs sehr positiv, die „mutige“ Dramaturgie, auf Shakespearsche Tragödien ausgerichtet, wurde eindeutig positiv bewertet. Die eingeführten Festivalpässe haben die Vorstellungen einem breiteren – vor allem dem jungen – Publikumskreis zugänglich gemacht. Außer dem Theaterausflug in die Berliner Volksbühne wurden den Zuschauern zwei Produktionen des Berliner Ensembles (Drei Dramolette, Die Schändung), die „Aufführung des Jahres“ (Macbeth in der Regie von Jürgen Gosch und in der Darstellung des Düsseldorfer Schauspielhauses) und „Othello“ vom Schauspielhaus Zürich angeboten. Eingeladen waren auch vier Produktionen für „kleinere Säle“ und zwei Kindervorstellungen, so wie der diesjährige MAX-Preisträger, Schnitzlers „Das weite Land“, einstudiert vom Prager Nationaltheater.
 
Im zwölften Jahrgang fand das Festival unter dem Motto „Traum und Erwachen“ vom 8. bis 18. November statt. Es wurde auf sieben Prager Bühnen gespielt, teilgenommen haben Münchner Kammerspiele, Schauspiel Hannover, Rimini Protokoll, Theater in der Josefstadt und weitere hervorragenden Theaters des deutschsprachigen Raums. Ins Programm einbezogen wurde wie bereits üblich auch die beste tschechische Aufführung eines deutschsprachigen Stückes der letzten Saison, diesmal das Prager Kammertheater/ Pra¾ské komorní divadlo mit dem Sitz im Theater Komödie, und zwar mit der Aufführung von Thomas Bernhards „Weltverbesserer“ in der Regie von Du¹ana D. Paøízek.
Für die großen Theaterliebhaber wurde wieder ein Prolog veranstaltet: ein Theaterausflug in die Münchner Kammerspiele zu Tschechows „Drei Schwestern“ in der Regie Andreas Kriegenburgs.
 
Der  dreizehnte Jahrgang mit dem Untertitel FRAU + MANN präsentierte dieses ewige Thema in drei ausgeprägten Regiehandschriften. Nach dem Prolog, einer Lesung von B. Grögerová und F. Mayröcker am 29. Oktober 2008 wurde er am 31.10. im Ständetheater eröffnet, wo das Berliner Ensemble „Die Dreigroschenoper“ Brechts in der Regie von Robert Wilson und in unserer Koproduktion mit dem Nationaltheater aufführte. Im Theater in den Weinbergen gastierten am 2.11. die Münchner Kammerspiele mit der Dramatisierung von Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ in der Regie Thomas Ostermeiers, am 9. November trat das Wiener Burgtheater mit Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ (Regie Jan Bosse) im historischen Gebäude des Nationaltheaters auf. Mit szenischen Lesungen präsentierten sich der Schweizer Ueli Jäggi und der Luxemburger André Jung. Am Festival wurden auch der wiederholte MAX-Preisträger Pra¾ské komorní divadlo gezeigt, und zwar mit zwei Aufführungen in der Regie von Du¹an Paøízek: ÜBERGEWICHT unwichtig: UNFORM Werner Schwabs und „Der Prozess“ Franz Kafkas, so wie zwei Vorstellungen für die kleinsten Kinder „Erde, Stock und Stein“, und das „Theater für zu Hause“ LivingROOMS von der Gruppe Lunatiks.