Bedeutung und Inhalt des Projekts

Das Festival ist eine anerkannte internationale Schau von Theaterinszenierungen und -projekten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, also Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein. Es arbeitet mit namhaften Ensembles und Theatermachern zusammen und legt Wert auf höchstes künstlerisches Niveau.
Das Festival wird von bedeutsamen Institutionen aus dem In- und Ausland unterstützt, und gilt als ein bedeutendes Ereignis in den kulturellen Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und seinen Nachbarländern. Dies beweisen auch die Einladungen zu gesellschaftlichen Treffen von Spitzenpolitikern, die von den Botschaften der beteiligten Länder veranstaltet werden, beispielsweise bei Besuchen des Bundespräsidenten.
Die erfolgreiche Realisierung von 24 klassischen Jahrgängen und eines on-line Jahrgangs, die mit einem regen Interesse seitens der Zuschauer und Medien in beiden Formen einhergingen, zeugen von der Notwendigkeit, Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit dieses Projekts. Neben dem künstlerischen Beitrag wirkt sich das Festival auch positiv auf die Vertiefung der internationalen Beziehungen in gesellschaftlicher und diplomatischer Hinsicht, aber auch in Bildung und Tourismus aus.

Geschichte

Im Jahr 2021 findet der bereits 26. Jahrgang des Festivals statt. Ursprünglich wurde es 1996 vom Schriftsteller und Dramatiker Pavel Kohout als Deutsches Theater in Prag gegründet. Seit 1997 leitete Jitka Jílková das Festival, deren professionelle Federführung mit deutschen und österreichischen Staatsauszeichnungen gewürdigt wurde. Seit Januar 2021 übernahm der bisherige Chefdramaturg Petr Štědroň die Leitung. In den 25 Jahren seines Bestehens präsentierte das Festival dem Prager Publikum angesehene Regisseure wie George Tabori, Robert Wilson, Andreas Kriegenburg, Luk Perceval, Christoph Marthaler, Frank Castorf, Thomas Ostermeier, Martin Kušej, Herbert Fritsch, René Pollesch, Stephan Kimmig oder Antú Romero Nunes, berühmte Schauspielerpersönlichkeiten wie Klaus Maria Brandauer, Bruno Ganz, Josef Hader, Sophie Rois, Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Sandra Hüller, Ursina Lardi, Samuel Finzi, Markus John, Devid Striesow, André Jung, Sebastian Blomberg sowie zahlreiche renommierte Theaterensembles wie etwa das Deutsche Theater Berlin, die Schaubühne Berlin, das Berliner Ensemble, das Thalia Theater Hamburg, das Burgtheater Wien, das Schauspielhaus Zürich, die Münchner Kammerspiele, die Volksbühne Berlin, das Maxim Gorki Theater und viele andere mehr und nicht zuletzt Ensembles der unabhängigen Theaterszene wie She She Pop, Rimini Protokoll und das International Institute of Political Murder.

Dramaturgie

Die Festivalleitung setzt sich gegenwärtig in erster Linie aus dem Leiter und gleichzeitig Dramaturgen Petr Štědroň, der gleichzeitig Direktor des Prager Theaters Divadlo Na zábradlí ist, und der emeritierten Festivaldirektorin und Dramaturgin Jitka Jílková zusammen. Der Schwerpunkt der Dramaturgie liegt auf Theaterproduktionen, die entweder durch innovatorische Regiearbeit, eine unkonventionelle dramaturgische Auswahl oder Auslegung, Szenografie oder technologische Verarbeitung herausragen. Das besondere Augenmerk gilt dabei der schauspielerischen Qualität. Die reiche Auswahl an herausragenden Theaterstücken ist jedoch durch die finanziellen und technischen Bedingungen begrenzt. Bei einigen ausgewählten Projekten tritt das Festival auch als Koproduzent in Erscheinung.
Bereits einige Male wurden Aufführungen, die von der Dramaturgie ins Festivalprogramm geholt worden waren, im jeweiligen Jahr von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur Inszenierung des Jahres erklärt (Die bitteren Tränen der Petra von Kant – Residenztheater, 2012; Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen – Maxim Gorki Theater, 2014, Die lächerliche Finsternis – Burgtheater Wien, 2015).
Einige Inszenierungen des Festivals wurden in den vergangenen Jahren von der tschechischen Fachzeitschrift „Svět a divadlo“ in einer Umfrage unter Theaterkritikern zum Größten internationalen Theaterereignis des Jahres gekürt. Im Jahr 2016 holte sich Hamlet in der Regie von Thomas Ostermeier und der Darbietung der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz souverän den ersten Platz, 2018: Richard III., R. Thomas Ostermeier, Schaubühne Berlin, 2019: König Ottokars Glück und Ende, R. Dušan D. Pařízek, Volkstheater Wien, 2020 Maria Stuart, R. Anne Lenk, Deutsches Theater Berlin.
Das Festival bietet einen langfristigen, kontinuierlichen Überblick über die Entwicklung des Theaters in den deutschsprachigen Nachbarländern und weist auf moderne und neueste Trends in diesem Bereich hin. Der tschechischen Theaterlandschaft wird nicht nur eine Konfrontation, sondern auch eine Inspiration ermöglicht, um einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der hiesigen Kulturlandschaft nehmen zu können. Das dies gelingt, wird in der Dramaturgie tschechischer Theaterensembles deutlich, die immer öfter deutsche Dramatik in ihr Repertoire aufnimmt.

Josef Balvín Preis und Begleitveranstaltungen

Jedes Jahr verleiht das Festival den Josef-Balvín-Preis (ursprünglich MAX-Preis, umbenannt zu Ehren von Josef Balvín, eines langjährigen Dramaturgen des Festivals) an die beste tschechische Inszenierung eines in deutscher Sprache verfassten Textes. Die Siegerproduktion wird ins Festivalprogramm aufgenommen und mit deutscher Übertitelung gezeigt. Die Entscheidung über den Preisträger trifft seit der Spielsaison 2016/17 eine Jury der Theaterzeitung Divadelní noviny. Dass deutsche Stücke sich bei tschechischen Inszenatoren immer größerer Beliebtheit erfreuen, zeigt die im Laufe der Jahre stetig wachsende Zahl an Inszenierungen, die sich für eine Teilnahme am Wettbewerb bewerben. 2020 wurde der Preis aus urheberrechtlichen Gründen nicht verliehen.
Das Hauptprogramm wird von Ausstellungen, Videoinstallationen, den beliebten Theaterausflügen zu nicht übertragbaren Inszenierungen, Fachvorträgen und kleineren deutsch-tschechischen Projekten, wie etwa der Präsentation neuer Texte durch inszenierte Lesungen oder Theaterproduktionen von Partnerinstitutionen, begleitet.Während des Festivals finden stets zahlreiche Publikumsdiskussionen mit Schauspielern, Regisseuren, Autoren und anderen Theatermachern statt.

Festivalpublikum

Alle Vorstellungen tragen Übertitel oder werden simultan ins Tschechische gedolmetscht, wodurch die Festivalproduktionen auch jenen Zuschauern zugänglich gemacht werden, die des Deutschen nicht mächtig sind (tschechische Inszenierungen wiederum werden ins Deutsche übersetzt). Das Festivalprogramm ist sehr mannigfaltig und bietet Raum für alle sozialen Schichten und Alterskategorien. Die Aufführungen des Festivals werden von Schülern und Studenten, Journalisten, Diplomaten und Vertretern von Institutionen, Menschen mit Behinderung, Senioren, Schauspielern und Regisseuren, Politikern, Geschäftsleuten, tschechischen Emigranten, Zuschauern aus der Slowakei, Österreich, Deutschland und der Schweiz besucht. Das Festival hat sich somit in den Jahren seines Bestehens ein äußerst starkes Stammpublikum aufgebaut. Je nach Zahl der Vorstellungen und der jeweiligen Saalkapazität besuchen das Festival jährlich rund 5.000 Menschen, die Auslastung beträgt jedes Jahr 95 – 100%. Bei der on-line Version im vergangenen Jahr notierten wir sogar fast 9 000 Zugriffe.

Festivalpartner und Kooperation

Das Festival arbeitet auf verschiedenen Ebenen mit einer Vielzahl von nationalen und internationalen Organisationen zusammen. Zu den wichtigsten Institutionen, die das Festival langfristig finanziell unterstützen und ohne die die Realisierung des Festivals nicht möglich wäre, gehören das tschechische Kulturministerium, die Hauptstadt Prag, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und das Goethe-Institut, mit dem das Festival oft auch organisatorisch zusammenarbeitet. 
Das Festival hat auch eine Reihe von Partnern aus dem Kultur- und Bildungsbereich. Neben Theaterhäusern (Národní divadlo, Divadlo na Vinohradech, DOX, Divadlo Archa), kleineren Theatervereinen (Divadlo Letí) und Kulturinstituten (Österreichisches Kulturforum, Institut der Künste, Dilia, Aura-Pont) sind dies vor allem Mittel- und Hochschulen wie etwa die Deutsche Schule Prag, die Akademie für Darstellende Kunst DAMU, das Germanistikinstitut der Karlsuniversität, die Universität Wien und viele weitere.
Die Bedeutung des Festivals unterstreicht nicht zuletzt die ununterbrochene Unterstützung der Botschaften aller involvierten Staaten.

Eine internationale Jury hat unserem Festival das begehrte Kultur-Siegel EFFE – Europe for Festivals – Festivals for Europe verliehen. Diese internationale Festivalplattform, initiiert von der European Festivals Association, vernetzt Festivals, die sich der Unterstützung der Kunst, ihrer Gemeinden und europäischen Werte verschrieben haben. Mit der Verleihung des EFFE-Labels wird der hohen Qualität und der alltäglichen lokalen Arbeit in ganz Europa Anerkennung gezollt.